Auswertung der 13. NPO-Blogparade, Live Online für NPOs

Vor etwas mehr als einem Monat habe ich im Rahmen der 13. NPO-Blogparade nach Herausforderungen, Hürden und Einsatzszenarien von Live-Online-Tools im NPO-Umfeld gefragt.

Wohl nicht ganz zufällig – das Thema ist eben aktuell – fand fast gleichzeitig der “WissensWert Blog Carnival Nr. 10” zum eigentlich selben Thema statt. Querlesen wird also gleich an dieser Stelle empfohlen…

Herbert Schmidt verweist in einem Kommentar auf Internetradio-Plattform 1000 Mikes. Mit 1000 Mikes ist es auf denkbar einfache Weise möglich, live Internetradiosendungen zu gestalten. Es genügt ein Telefonanruf und schon ist der Audio-Livestream “on air” oder besser gesagt online. Nach Ende der Live-Sendung steht eine Aufzeichnung als MP3 zur Verfügung.

Als Kulminationspunkt einer viralen Marketingkampagne kann sich Ludger Brenner Live-Streaming-Tools vorstellen. Interessant ist auch seine Idee, dass “die Bereitstellung (zeitlich begrenzten) Know hows mittels Echtzeitkommunikation zur Verfügung gestellt werden kann. Kleine NPOs verfügen häufig nicht über geschultes Personal. An dieser Stelle ist denkbar, dass ein Profi eines gewinnorientierten Betriebes Mitarbeiter eines Vereins via Videokonferenz schult [...]“. Videokonferenzen könnten so CSR-Aktivitäten von Profitunternehmen unterstützen.

Jörg Reschke sieht im Echtzeit-Web insbesondere angesichts der weiter zunehmenden Mobilität eine Chance. Auch für das Fundraising meint Jörg sinnvolle Anwendungsbereiche zu erkennen wenn

“Spender zeitnah Informationen und einen Rückkanal einfordern oder Sponsoringpartner Kanäle der Echtzeit-Kommunikation als selbverständlichen Bestandteil des Marketings ansehen.”

Die sinnvolle Verknüpfung von synchron und asynchron beschreibt er folgendermaßen:

“Durch kollaborative Instrumente können asynchron (z.B. Blogs, RSS-Feeds, Wikis) Informationsflüsse neu gestaltet und das Verhältnis von Hol- und Bringschuld neu arrangiert werden. In der Kombination mit synchroner Live-Kollaboration entsteht Raum für Information und Reaktionen, wie es sonst nur im informellen Flurfunk passiert – jedoch nun transparenter und mit Rückkanal. Hierarchische Strukturen können dadurch abflachen.”

Brigitte Reiser findet, dass “für den Bereich der Entwicklungshilfe, der Katastrophenhilfe oder globaler Umweltinitiativen sollten Live-Tools zu den Instrumenten erster Wahl gehören, um intern die Abstimmung über Ländergrenzen hinweg zu erleichtern. Und um die weltweite Öffentlichkeit über Video-Live-Streams oder Online-Pressekonferenzen ausführlich zu informieren.” Allerdings empfiehlt sie Videokonferenzen nicht für den kommunalen Bereich, da die zu überwindenden Distanzen nicht groß genug sind um den Vorteil von Face-to-Face-Treffen aufzuwiegen. Auch sind ihrer Meinung nach insbesondere Sozialeinrichtungen gerade erst im Web 1.0 angekommen. Bevor sie Schritte in Richtung Live-Kommunikation machen sollte man sie für Weblogs und Wikis sensibilisieren.

Live-Streams sind für Christian Henner-Fehr zwar eine faszinierende Möglichkeit bei Events mit dabei zu sein, allerdings vermisst er oft die Interaktionsmöglichkeiten des Publikums mit den PräsentatorInnen bzw. des Publikums untereinander. Während Apple selbst bei seinen ohne Rückkanal veranstalteten Events hohe Aufmerksamkeit erregen wird, können beispielsweise Kultureinrichtungen vor andere Herausforderungen gestellt sein:

“Wie aber sieht es aus, wenn ein Museum oder ein Theater auf diese Weise z.B. das kommende Jahresprogramm präsentiert? Genügt es, die Präsentation des Intendanten oder Direktors live via Internet zu übertragen, um die gewünschte Aufmerksamkeit zu erhalten? Wahrscheinlich nicht. Damit das funktioniert und die UserInnen in diesem Fall einfach nur zusehen und zuhören, bedarf es, neben der Qualität des Produktes, vor allem einer sehr hohen Reputation und einem entsprechend großen Netzwerk. [...] Aber natürlich kann ich die Live-Übertragung als eine Form der Kommunikation innerhalb meiner Community einsetzen. Jedes Theater, Orchester, Museum, etc. kann auf diesem Weg einerseits informieren und sich aus der Information ergebende Fragen zu beantworten versuchen. Gleichzeitig ermögliche ich mit Hilfe z.B. eines öffentlichen Chats die multilaterale Kommunikation.”

Hannes Jähnert bringt auf der Suche nach den Vorteilen der synchronen Kommunikation den Aspekt der Kreativität ins Spiel:

“Da das Schreiben – für mich der Inbegriff asynchroner Kommunikation (bspw. via (e)Mail) – nicht nur ein mitteilender, sondern auch ein bildender Prozess ist, bleibt Kreativität in der Interaktion zumeist auf der Strecke. [...] Bieten Videokonferenzen, Chats oder Second Life die Möglichkeit verrückte, assoziative Spinnerei zu kultivieren? Ich denke schon. Von Seminarformaten à la Online-Webmontag können viele Menschen profitieren. Seitens der Freiwilligenorganisationen als Workshop angeboten, können verrückte Ideen bspw. pedantisch auf ihre Machbarkeit überprüft werden ohne dafür vor Ort sein zu müssen. Zu organisationsinternen Weiterbildungen können Freiwillige mit speziellen Erfahrungen oder Können via Videokonferenz geladen werden um verrückte Ideen mit den Mitarbeitenden kritisch zu diskutieren. Nicht zuletzt war zu Zeiten des Hypes um Second Life immer wieder mal von (sozial)pädagogischen Projekten (bspw. zur Stadt- und Kiezplanung) zu hören …”

Das kurz zusammenfassende Schlusswort kann ich auch Hannes Jähnert überlassen:

“Live-Zugänge über das Internet in die Organisation und aus ihr heraus haben meiner Ansicht nach also durch aus einen Mehrwert. Sie müssen aber – wie alle anderen Kommunikationstools – strategisch und planvoll eingesetzt werden – zum Beispiel um kreative Problemlösungen für die Arbeit der Organisation zu finden.”

Ich bin dankbar, dass ich Gastgeber der 13. NPO-Blogparade sein durfte, da ich viele neue und wertvolle Anregungen gewonnen habe! Abschließend wird am Freitag, 19.2. zwischen und 11 und 12 Uhr ein Twitchat zum Thema stattfinden.

Die nächste Blogparadenrunde wird vom Blog engagiert-in-deutschland.de als Gastblog gehostet.

P.S.: Hinweisen will ich an dieser Stelle auch noch auf das EU-Projekt von Franz Nahrada “Videobridge“. In einem “Grundtvig-Workshop” im Jänner 2010 in Wien ist das Thema – mit Fokus auf die Erwachsenenbildung – umfassend beleuchtet worden.

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Ein Kommentar

  1. Erstellt am 15. Februar 2010 um 10:05 | Permanent-Link

    Hallo David, vielen Dank für die Zusammenfassung und das Schlusswort :-D .
    Für mich würde ich aber gern noch ergänzen, dass Live-Online-Tools schon die “Hohe Schule” des Social Web Einsatzes darstellen. Das nicht zuletzt durch die von Christian angesprochene Rückkanäle, die in Echtzeit gemanaged werden müssen. Ich denke Brigitte hat Recht, wenn sie sagt, dass kleinere NPOs (die ja deutlich in der Mehrzahl sind) zunächst erstmal für Weblogs, Wikis und Social Network Plattformen sensibilisiert werden sollten.

3 Trackbacks

  1. [...] Und die Auswertung der 13. Runde gibt es hier [...]

  2. Von Zusammenfassung Twitchat der NPO-Blogparade am 19. Februar 2010 um 13:23

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